Gemeindebrief

„Wort auf den Weg “

 

Nach gewisser Zeit begegnen sich zwei alte Bekannte wieder. „Grüß dich!“ Zuerst zaghaft, dann immer lebendiger kommt das Gespräch in Gang. Erfüllt gehen beide wieder auseinander  – zum Glück ist man sich begegnet!

 

So könnte man auch Ostern und die Geschichte in Johannes 20, 19-23 verstehen. „Friede sei mit euch“ – ein klassischer Gruß in antiker Zeit. Unserem „Grüß Gott“ nicht unverwandt. Oft gedankenverloren gesagt, mit wenig beigemessener Bedeutung. Ein Gruß eben.

 

In der österlichen Zeit für die Jünger nimmt dieser alltägliche Gruß einen anderen Stellenwert ein. Ängstlich und verschreckt ziehen sich die Wegbegleiter zurück. Wie viele Menschen, wenn Dinge in ihrem Leben geschehen, die sie verunsichern oder die unverständlich bleiben. Es bleiben ihnen die Worte weg, sie sind auf sich zurückgeworfen. Was sollen sie auch sagen oder tun?

 

Aus Furcht vor den Anderen schließen sie sich aus. Sie wollen nicht zum Gespött werden, nicht ins Kreuzfeuer der Geschehnisse geraten. Die Situation ist und schein ausweglos – verschlossen innen und außen! Das hält Christus nicht auf! Mit ungebrochenem Willen und mit unglaublicher Macht kommt Jesus auf seine Jünger zu, nicht erschreckend oder sie überwältigend. Er ist einfach da, grüßt wie immer. Die Botschaft ist einfach: ICH BIN DA! Der Gruß zeigt uns die wichtigste Sache christlichen Glaubens: Gott begegnet uns!

 

Er stellt sich in ihre Mitte! Er lässt sich von der Abge-schlossenheit der Menschen und ihrer Türen nicht aufhalten. Er ist nicht der, der fernbleibt. Er will die Begegnung mit den Menschen!

 

Genau das brauchen wir Menschen. Diese Nähe und Klarheit aus dem Munde Jesu tut uns gut. So zeigt sich Gott, kommt auf uns zu. Klar, unverstellt und vertrauensvoll. Er zeigt sich!

 

Er zeigt die Hände und seine Seite, die ihn als den Gestorbenen ausweisen müssten. Er aber zeigt sich lebendig. Er lässt sich anfassen – es ist keine Täuschung der Sinne! Gegen alles, was Menschen vermuten und glaubten, ist er lebendig mitten unter ihnen. Eine solche Begegnung macht mutig und gewiss – man hat sich nicht getäuscht.

 

Die Jünger erfassen schnell, dass es sich dabei nicht um eine Erscheinung im Trauerprozess handelt. Es geht um mehr! Es ist kein Trugbild – es ist Wirklichkeit! Gleichzeitig aber nicht so, wie es vorher war – es ist mehr. ER ist mehr – er war tot, jetzt lebt er!

Nochmal werden die Jünger angesprochen. Das zweite Mal gegrüßt, wie als Bestätigung oder verstärkte Zusage schallt seine Stimme in den Raum. Friede sei mit euch!!!

Mitten in einer Welt des Unfriedens, der Zerrissenheit und vielfältiger widerstrebender Interessen wird alles zum Schweigen gebracht. Jesus bringt seine Jünger an den Ort, wo Menschen zu ihm finden und zu dem werden, was sie sein sollen. So befreiend ist die Wirkung des Grußes aus seinem Mund.

 

Er fordert sie im gleichen Atemzug auf zu gehen und auf Menschen zu zugehen, wie er es selbst tat. In seinen Fußspuren sollen sie sich auf den Weg machen. Sie dürfen hinaustragen, was sich an ihnen ereignet.

 

Dass uns dies nicht immer gelingen mag, liegt in uns. Wir bleiben – ich gehe hierbei nur von mir aus – oft hinter dem Möglichen zurück. Da braucht es schon die Stimme Christi, die von außen an uns herandringt. Das befreit uns, weil er uns befreien will.

 

Hoffentlich erleben wir Ostern auch so wohltuend und aufbauend. In der Begegnung mit Christus, für unseren Weg, ausgerüstet und fähig gemacht mit und in ihm Leben zu finden und anzugehen. Von dieser Begegnung lebt jeder Sonntag, jeder Tag im christlichen Leben setzt genau auf diese annehmende und ermutigende Begegnung mit Christus! Darum: Friede sei mit euch!!! 


Ihr Pfarrer Jürgen Bobzin

 

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