Der „Wägelestreff“

Wir leben heute in einer „mobilen“ Gesellschaft. Und wer nicht (mehr) mobil ist und beweglich, der ist schnell vom Leben ausgeschlossen und auf die Hilfe anderer angewiesen. Das gilt besonders für ältere Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist, die aber dank moderner Hilfen - wie Rollator - noch unterwegs sein können. Doch meistens traut man sich dann nicht mehr allein auf die Straße, entweder aus Scham oder aus Unsicherheit.

Darüber haben wir uns vor zwei Jahren im Besuchsdienst Gedanken gemacht und eine Mitarbeiterin hatte dabei die Idee, ein „Wägelestreff“ ins Leben zu rufen.

Das heißt wir laden Menschen aus der Gemeinde ein, die einen Rollator als Gehilfe benötigen, um einen gemeinsam Nachmittag mit ihnen zu verbringen. Gedacht war dabei an eine gemeinsame Spazierrunde im Dorf oder in der näheren Umgebung mit einer abschließenden Kaffeerunde, mit Singen, Geschichten vorlesen, Andacht und vieles mehr.

Inzwischen betreuen fünf Mitarbeiterinnen diese Gruppe, die sich drei bis vier Mal von Mai bis September trifft und im Oktober dann einen gemeinsamen Abschlussnachmittag mit Bilderrückschau durchführt. Alle fünf Mitarbeiterinnen sind dabei zu Wegbegleiter und Gesprächspartner für die Gültlinger Senioren geworden und stehen als Fahrer zur Verfügung. Denn nach dem Spaziergang werden alle Teilnehmer nach Hause gebracht.

Schön ist auch, dass sich andere ältere Menschen dieser Gruppe angeschlossen haben, die noch ohne Rollator unterwegs sein können, um als Gesprächspartner dabei zu sein. Da man sich nicht vorher anmelden muss, variiert die Teilnehmerzahl. Meist sind zwischen zehn und zwanzig „Wägelesschieber“ mit von der Partie. Überhaupt machen die monatlichen Treffen nicht nur den Teilnehmern viel Spaß. „Alle, die mitkommen, haben eine Riesenfreude und man bekommt sehr viel zurück. Wir machen wirklich nicht viel, aber das wird so geschätzt“, sagen die Mitarbeiterinnen. Treffpunkt für den Spaziergang ist jeweils das Gültlinger Gemeindehaus. Mit fünf oder sechs „Päusle“ zwischendurch geht es durch den Ort.

Die Rast bietet nicht nur Gelegenheit zum Verschnaufen, sondern vor allem die Möglichkeit, dass sich neue Grüppchen und Laufpaare bilden. Mitunter wagt sich die Gruppe durchaus auch aus Gültlingen hinaus. Ein Spaziergang durch die Wildberger Klosteranlage war schon auf dem Programm und in diesem Jahr war der Ausflug zur Landesgartenschau nach Nagold der Höhepunkt. In Holzbronn ist man in diesem Jahr 26 auch schon gewesen – ein Mitspaziergänger feierte dort seinen Geburtstag und hatte zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Erstaunlich dabei ist, dass dabei durchaus auch größere Strecken zurückgelegt werden, die die Teilnehmer sich alleine nicht trauen würden. In Gesellschaft läuft es sich einfach viel leichter. Man bleibt „beweglich“ und hat das Gefühl, dass man auch trotz eingeschränkter „Mobilität“ noch am Gemeindeleben teilhaben und Gemeinschaft erleben kann.

Pfr Gerhard Götz

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