Seelsorgebrief 29.1.21

Liebe Gemeindeglieder,
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Zum Sommer wird es einen harten Abschied geben. Ich schreibe heute, weil ich aus Gültlingen weggehen werde. Kurz einige Informationen und Hintergründe dazu:
2017 bin ich nach Gültlingen gekommen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Segensreiche Tage und viele gute Erfahrungen schlossen sich an. Gemeinsam haben wir begonnen zu arbeiten, gemeinsam zu leben und das Mögliche anzugehen.

Unangesehen der Arbeit vor Ort, die gut und erfreulich ist, baut die Landeskirche Pfarrstellen ab. Die Gemeinden im Stadtgebiet Wildberg sollten gemeinsam nach einem Weg suchen, um eine Pfarrstelle einzusparen. Damit waren die Perspektiven für meine Stelle und eine unbeschwerte gemeinsame Zukunft ungünstig. Das hat mich und viele hart getroffen und in ihrem Vertrauen deutliche Spuren hinterlassen. Das ist bedauerlich!

Die Gespräche über die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden sind 2018 und 2019 erfolgt. Nach Kräften haben die Kirchengemeinderätinnen und -räte aus Gültlingen versucht etwas zu bewegen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Bemühungen haben keine nachhaltigen Erfolge erzielt. Es wurde festgehalten, dass Gültlingen und Sulz gemeinsam einen Pfarrer teilen. Dies war als Härtefall im Plan vorgesehen. Der Oberkirchenrat hat daher die Aufhebung der Pfarrstelle Gültlingen verfügt und die Zuständigkeit des Pfarramtes Sulz am Eck festgestellt. Damit war meiner Stelle die Axt an die Wurzel gelegt. Ich habe mich beworben und wurde auf der Stelle in Gerstetten, Dek. Heidenheim gewählt.

Dies bedeutet nach der Konfirmation in Gültlingen, voraussichtlich am 9. Mai werde ich verabschiedet. Gleichzeitig tritt mit meinem Weggang der Pfarrplan in Kraft. Gültlingen und Sulz teilen sich ab 1. Juni 2021 eine Pfarrstelle.

Die Zukunft ist damit aber keineswegs verbaut. Die Aufhebung der Pfarrstelle Gültlingen (zum 31. Mai 2021) bedeutet nicht, dass beide Gemeinden zusammengelegt werden. Gültlingen und Sulz bleiben als Kirchengemeinde eigenständig. Sie teilen sich zu gleichen Teilen einen Pfarrer. Es ist auch nicht alles zu Ende. Es wird Umstellungen für beide Gemeinden geben. Aufgaben müssen in den Blick genommen werden und die Fragen, die sich ergeben im Gespräch miteinander geklärt werden. Da habe ich keine Bedenken, dass wir nicht zusammenkommen. Die Gespräche werden schnellst möglich geführt und zu einem guten Abschluss finden.

Ich möchte nochmal klar betonen, dass die Gründe für meinen Wechsel nicht in Gültlingen zu suchen sind. Ich mag die Menschen und die Arbeit hier vor Ort. Immer wieder bin ich über allen Maßen reich beschenkt worden mit guter Gemeinschaft, herzlicher Verbundenheit und tiefem Vertrauen. Ich bin dankbar für die vielen guten gemeinsamen Stunden, die vielen Erfahrungen und das menschliche Miteinander.

Es bleibt mir nur um Verständnis zu bitten und mich zu entschuldigen, wenn mein Schritt die entstandenen Verletzungen wieder aufreißt. Es schmerzt und ist hart für alle. Ich mache mir nichts vor, mit jedem Abschied stirbt ein Teil Geschichte. Das trifft Gültlingen wie Sulz in gleichem Maß! Das trifft uns als Menschen mitten ins Herz.

Über diesen Schmerz hinweg komme ich auf meine tiefsten Überzeugungen zurück: Gott lässt nicht von uns. Vor ihm sind alle unseren Entscheidungen und Wege offenkundig. Er ist mit uns nicht fertig oder am Ende. Ich sehe es so: Ich durfte für einige Zeit sein Werkzeug in eurer Mitte sein. Er hat mich ungeschickten Menschen dazu gebrauchen wollen, dass wir etwas von seiner Welt in unserer Mitte erleben. Nur von ihm habe ich es genommen. Wo etwas gelang, war es sein Werk. Manches bleibt offen oder ist durch mich aufgerissen worden. Darum hoffe ich, dass er es sieht, was geschieht, Wege zur Versöhnung und Miteinander zeigt und so Zukunft schafft.

Zukunft ist nichts, was ich in der Hand habe, sondern mit Gott wage ich diesen Schritt. Das gleiche wünsche ich auch den Menschen in Gültlingen und Sulz. Ich möchte darum auf ein Lied hinweisen. Es lautet:

1.     Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl; das macht die Seele still und friedevoll. Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt das Herz, sei’s spät, sei’s früh.

2.     Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit, dein Plan ist fertig schon und liegt bereit. Ich preise dich für deiner Liebe Macht, ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

3.      Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht, und du gebietest ihm, kommst nie zu spät; drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug. Du weißt den Weg für mich, das ist genug.

Auch wenn die Zukunft unbekannt und mit Fragen versehen ist, ist sie nicht die Zeit ohne Hoffnung, ohne Freiheit zum Miteinander und ohne Gott. Ganz im Gegenteil. Ich erlebe immer wieder, Gott tut Wege auf. Für mich nach Gerstetten. Für die Gültlinger mit einer geteilten Stelle. Immer aber in Gottes Hand und von ihm geführt.

Ich wünsche dazu Gottes Segen und hoffe, dass wir gut Abschied nehmen können und getrost in die Zukunft aufbrechen können, die Gott schenkt!

Herzlichst

Jürgen Bobzin