Seelsorgebrief 14.2.21

Liebe von Herzen

Liebe Gemeindeglieder,
Berliner oder Fasnetsküchle gehören im Januar/ Februar dazu. In den Tagen vor Aschermittwoch wird Land auf Land ab das Fettgebackene hergestellt. Ob wir nun zu den Freunden des bunten Treibens um Fasnet und Karneval gehören oder nicht, sei mal dahingestellt. Vor der Fastenzeit steht die Fülle an guten Sachen und das pralle Leben im Blick der Menschen.
Dieses Jahr fällt alles ins Wasser – inzwischen schon eine traurige Gewohnheit es zu sagen! Daher will ich hier ein paar Takte dazu verlieren. Das scheint mir dieses Jahr einen besonderen Gedanken wert.

Vor der Zeit des Fastens kommt die Lebensfülle und Freude zum Ausdruck. Manches Ritual soll den Winter vertreiben und das Leben in den Blick nehmen. Unbändige Freiheiten sind damit oft verbunden. Manche gesellschaftliche Regel gilt für einige Stunden nicht. Manche Grenze wird überschritten. In die Haut eines anderen schlüpfen, ist erlaubt. Narrenfreiheit könnte man es nennen. Man darf daher auch der Obrigkeit den Spiegel vorhalten. Überfluss spielt da oft eine Rolle. Aus der Fülle nehmen und das Leben feiern, wohl wissend dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Fasnet macht daher auch nur vor dem Hintergrund der Fastenzeit tieferen Sinn. Wo das eine vom anderen abfällt, verliert sich etwas wesentliches. Es ist in beiden die Erfahrung und unser Umgang mit den Grenzen im Blick.

Einmal in der Fasnet, wo sie gezielt überschritten werden und manches nicht gilt. Das braucht es, um den Wert der Grenzen zu erkennen und zu schätzen. Gezielt überschreiten, um zu merken, dass sie tiefen Sinn haben. Grenzen gibt es ja nicht um uns zu ärgern. Sie sollen uns nicht nur einschränken, sondern Lebensräume abgrenzen. So ist es mit den 10 Geboten auch: sie stecken einen Bereich ab, der das Leben schützen sollen. Das Leben braucht das, um zu funktionieren. Wie wollten wir sonst mit Gott und unseren Mitmenschen gut leben? Ähnliches könnte man von den Coronaregeln auch sagen – oder nicht?

Die Fastenzeit hingegen fasst für viele die Grenzen enger. Viele verbinden damit: Verzichten, Abstriche machen oder sich selbst beschränken. Ausdrücke gibt es viele für das, was man landläufig mit der Fastenzeit verbindet. Im vergangenen Jahr haben wir damit alles schmerzliche Erfahrungen gemacht – ohne dass es eine wirkliche Fastenzeit war.

Das dieser Takt für das Leben nicht günstig ist, erfahre ich stark. Viele, und da kann ich mich nicht ausnehmen, stoßen an die Grenzen, was geht und möglich ist. Die Grenzen sind mir bewusst und werden von vielen stark erlebt. Der Umgang damit ist nicht einfach. Abschiednehmen von lieben Menschen ohne menschliche Begegnung im Anschluss, familiäre Spannungen, Einsamkeit, … Viele Dinge brechen immer wieder mit extremer Wirkung in unsere Welt ein oder darin auf.

Die Folgen sind gut zu merken. Menschen werden dünnhäutig und sind gereizt. Andere haben resigniert und ergeben sich in das, was nicht zu ändern ist. Es fordert einen hohen Preis von uns.

Es kann nicht Ziel des Fastens sein uns unsere Grenzen aufzuzeigen oder den Verzicht zu einer Übung des Bewusstseins zu machen. Ob nach langem Verzicht alles wiederkommt?

Wir brauchen daher einen positiven Inhalt für das Ganze. Christlicher Glaube ist ein aktives Leben mit Gott. Dieses speziell in den Blick zu nehmen, ist wichtig. Wenn wir durchhalten sollen, ist es nicht nur das Licht am Ende des Tunnels das uns durchhalten lässt. Für mich ist es auch die Art, wie wir unterwegs sind. Die Fastenzeit sollte uns als Trainingstrecke dienen, als Zeit der Übung oder der Achtsamkeit. Darin unterscheidet sich die Fastenzeit vom Lockdown. Es geht also um die Füllung oder den Inhalt für die bestehenden Grenzen.

Ich habe daher schon vor Jahren damit angefangen in der Fastenzeit ein Evangelium – also einen Bericht vom Leben Jesu – in den Blick zu nehmen. Sich mit ihm auf den Weg zu begeben, darum geht es für mich im Leben mit ihm. Das besonders in der Fastenzeit zu tun, hilft mir. Von den Geschichten ausgehend, kann ich überlegen, wie Leben mit ihm ist und sich dann auch für mich darstellt. Dazu lade ich auch Sie ein. Schlagen Sie mal eines der vier Evangelien auf und begeben sie sich mit auf den Weg. Dort erkenne ich, es ist der Weg nicht der Grenzen, sondern der, der über die Grenzen in die Freiheit führt. Diesen Weg geht er mit mir. Hoffentlich finden Sie ihn dort auch!

Herzlichst

Jürgen Bobzin

EG 589

1.     Meine engen Grenzen, / meine kurze Sicht, bringe ich vor dich./ Wandle sie in Weite: /Herr, erbar..

Gültlingen, den  TIME \@ "dd.MM.yyyy" 14.02.2021

Liebe Gemeindeglieder,

Berliner oder Fasnetsküchle gehören im Januar/ Februar dazu. In den Tagen vor Aschermittwoch wird Land auf Land ab das Fettgebackene hergestellt. Ob wir nun zu den Freunden des bunten Treibens um Fasnet und Karneval gehören oder nicht, sei mal dahingestellt. Vor der Fastenzeit steht die Fülle an guten Sachen und das pralle Leben im Blick der Menschen.

Dieses Jahr fällt alles ins Wasser – inzwischen schon eine traurige Gewohnheit es zu sagen! Daher will ich hier ein paar Takte dazu verlieren. Das scheint mir dieses Jahr einen besonderen Gedanken wert.

Vor der Zeit des Fastens kommt die Lebensfülle und Freude zum Ausdruck. Manches Ritual soll den Winter vertreiben und das Leben in den Blick nehmen. Unbändige Freiheiten sind damit oft verbunden. Manche gesellschaftliche Regel gilt für einige Stunden nicht. Manche Grenze wird überschritten. In die Haut eines anderen schlüpfen, ist erlaubt. Narrenfreiheit könnte man es nennen. Man darf daher auch der Obrigkeit den Spiegel vorhalten. Überfluss spielt da oft eine Rolle. Aus der Fülle nehmen und das Leben feiern, wohl wissend dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Fasnet macht daher auch nur vor dem Hintergrund der Fastenzeit tieferen Sinn. Wo das eine vom anderen abfällt, verliert sich etwas wesentliches. Es ist in beiden die Erfahrung und unser Umgang mit den Grenzen im Blick.

Einmal in der Fasnet, wo sie gezielt überschritten werden und manches nicht gilt. Das braucht es, um den Wert der Grenzen zu erkennen und zu schätzen. Gezielt überschreiten, um zu merken, dass sie tiefen Sinn haben. Grenzen gibt es ja nicht um uns zu ärgern. Sie sollen uns nicht nur einschränken, sondern Lebensräume abgrenzen. So ist es mit den 10 Geboten auch: sie stecken einen Bereich ab, der das Leben schützen sollen. Das Leben braucht das, um zu funktionieren. Wie wollten wir sonst mit Gott und unseren Mitmenschen gut leben? Ähnliches könnte man von den Coronaregeln auch sagen – oder nicht?

Die Fastenzeit hingegen fasst für viele die Grenzen enger. Viele verbinden damit: Verzichten, Abstriche machen oder sich selbst beschränken. Ausdrücke gibt es viele für das, was man landläufig mit der Fastenzeit verbindet. Im vergangenen Jahr haben wir damit alles schmerzliche Erfahrungen gemacht – ohne dass es eine wirkliche Fastenzeit war.

Das dieser Takt für das Leben nicht günstig ist, erfahre ich stark. Viele, und da kann ich mich nicht ausnehmen, stoßen an die Grenzen, was geht und möglich ist. Die Grenzen sind mir bewusst und werden von vielen stark erlebt. Der Umgang damit ist nicht einfach. Abschiednehmen von lieben Menschen ohne menschliche Begegnung im Anschluss, familiäre Spannungen, Einsamkeit, … Viele Dinge brechen immer wieder mit extremer Wirkung in unsere Welt ein oder darin auf.

Die Folgen sind gut zu merken. Menschen werden dünnhäutig und sind gereizt. Andere haben resigniert und ergeben sich in das, was nicht zu ändern ist. Es fordert einen hohen Preis von uns.

Es kann nicht Ziel des Fastens sein uns unsere Grenzen aufzuzeigen oder den Verzicht zu einer Übung des Bewusstseins zu machen. Ob nach langem Verzicht alles wiederkommt?

Wir brauchen daher einen positiven Inhalt für das Ganze. Christlicher Glaube ist ein aktives Leben mit Gott. Dieses speziell in den Blick zu nehmen, ist wichtig. Wenn wir durchhalten sollen, ist es nicht nur das Licht am Ende des Tunnels das uns durchhalten lässt. Für mich ist es auch die Art, wie wir unterwegs sind. Die Fastenzeit sollte uns als Trainingstrecke dienen, als Zeit der Übung oder der Achtsamkeit. Darin unterscheidet sich die Fastenzeit vom Lockdown. Es geht also um die Füllung oder den Inhalt für die bestehenden Grenzen.

Ich habe daher schon vor Jahren damit angefangen in der Fastenzeit ein Evangelium – also einen Bericht vom Leben Jesu – in den Blick zu nehmen. Sich mit ihm auf den Weg zu begeben, darum geht es für mich im Leben mit ihm. Das besonders in der Fastenzeit zu tun, hilft mir. Von den Geschichten ausgehend, kann ich überlegen, wie Leben mit ihm ist und sich dann auch für mich darstellt. Dazu lade ich auch Sie ein. Schlagen Sie mal eines der vier Evangelien auf und begeben sie sich mit auf den Weg. Dort erkenne ich, es ist der Weg nicht der Grenzen, sondern der, der über die Grenzen in die Freiheit führt. Diesen Weg geht er mit mir. Hoffentlich finden Sie ihn dort auch!

Herzlichst

Jürgen Bobzin

EG 589

1.     Meine engen Grenzen, / meine kurze Sicht, bringe ich vor dich./ Wandle sie in Weite: /Herr, erbarme dich.

2.     Meine ganze Ohnmacht, / was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich./ Wandle sie in Stärke:/ Herr, erbarme dich.

3.     Mein verlornes Zutraun, / meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. / Wandle sie in Wärme:/ Herr, erbarme dich.

4.     Meine tiefe Sehnsucht / nach Geborgenheit bringe ich vor dich. / Wandle sie in Heimat: / Herr, erbarme dich. me dich.

2.     Meine ganze Ohnmacht, / was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich./ Wandle sie in Stärke:/ Herr, erbarme dich.

3.     Mein verlornes Zutraun, / meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. / Wandle sie in Wärme:/ Herr, erbarme dich.

4.     Meine tiefe Sehnsucht / nach Geborgenheit bringe ich vor dich. / Wandle sie in Heimat: / Herr, erbarme dich.